Anlage N

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Einkommensteuer

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Austauschmotor

§ 9 Abs. 1 Nr. 4

Können die Kosten für einen Austauschmotor auch dann als Werbungskosten abgesetzt werden, wenn für die täglichen Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte der Entfernungspauschbetrag in Anspruch genommen wird?

Die Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Es kommt meist auf den Einzelfall an. Von entscheidender Bedeutung ist, dass der Schaden außergewöhnlich ist. Denn gewöhnliche Aufwendungen sind mit der Entfernungspauschale abgegolten.

Das Praxisbeispiel: Sie fahren mit Ihrem Mercedes täglich zur Arbeit. Bei Kilometerstand 56 165 bleibt das Gefährt stehen. Motorschaden. Die Herstellerfirma stellt fest, dass es sich um einen Lagerschaden handelt, der auf Ölmangel zurückzuführen ist; Ihr Kulanzantrag wird abgelehnt.
Natürlich wollen die Kosten für den teuren Austauschmotor gern von der Steuer absetzen. Und das, obwohl Sie seit Jahren den Entfernungspauschbetrag in Anspruch genommen haben.

Haben sie eine Chance, die Kosten als Werbungskosten anerkannt zu bekommen?  

Grundsätzlich sind mit den Kilometer-Pauschbeträgen die normalen, voraussehbaren Kosten, die dem Arbeitnehmer bei Benutzung des eigenen privaten PKW für berufliche Zwecke entstehen, abgegolten. Deshalb können insbesondere 

  • Kraftfahrzeugsteuern, 

  • Haftpflichtversicherungsprämien, 

  • übliche Reparaturkosten, 

  • Parkgebühren und 

  • Absetzung für Abnutzung (AfA) 

nicht neben den Kilometer-Pauschbeträgen als Werbungskosten abgezogen werden. 

Aber: In den Pauschbeträgen sind nicht berücksichtigt 

  • Unfallkosten und 

  • sonstige Kosten, 

die ihrer Natur nach außergewöhnlich sind und sich deshalb einer Pauschalierung entziehen. Die Frage, ob und inwieweit Reparaturaufwendungen, insbesondere der Einbau eines Austauschmotors, im Einzelfall zu den gewöhnlichen (auf Verschleiß beruhenden) oder zu den außergewöhnlichen Kosten gehören, ist eine Frage des jeweiligen Einzelfalls. Allgemeine Regeln lassen sich nicht aufstellen.

Wie können Sie nun argumentieren? Der Schaden muss außergewöhnlich sein. Das sind nur Schäden, die nicht voraussehbar und damit für Sie unabwendbar sind. Unvorhersehbar ist heutzutage sicherlich ein Motorschaden bei einer Kilometerleistung von nur knapp 60 000 km oder sogar darunter. Haben Sie dagegen bereits die 200 000 km-Grenze überschritten, wird ein Motorschaden immer wahrscheinlicher. Ein solcher Schaden dann mit den Kilometer-Pauschbeträgen abgegolten.

Ein Motorschaden kann z.B. auch erkennbar werden, wenn Sie trotz kochenden Kühlwassers weiterfahren. Sie hätten erkennen können, dass dem Motor Schaden droht, wenn Sie weiterfahren. Tun Sie es trotzdem, wird das Finanzamt schnell zu dem Ergebnis kommen, dass der Schaden für abwendbar war, Sie aber nichts zur Schadensminimierung unternommen haben.

Ein weiteres Problem kommt hinzu: Die Ursache für den Motorschaden kann letztlich im privaten Bereich liegen. Es lässt sich schwer nachweisen, ob der Schaden beruflich veranlasst ist oder privat. 

Also: Bei drohendem Motorschaden sofort anhalten, den Wagen in eine Werkstatt schleppen, den Schaden gering halten. Ist Ihr Auto zudem noch ziemlich jung und können Sie plausibel machen, dass der Schaden nahezu ausschließlich veranlasst ist, steigen Ihre Chancen, die Kosten steuermindernd ansetzen zu können.

 

Unfallkosten

Jasper Steuerberater

 

 

Köln 01.02.2003