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Einkommensteuer

 

Zuordnung der Einkünfte

 

 

Bedeutung der Einkunftsart

Künstlerische Tätigkeiten werden in der Regel zu Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit, zu Einkünften aus selbständiger Arbeit oder zu Einkünften aus Gewerbebetrieb führen. Häufig werden in einem Veranlagungszeitraum auch mehrere Einkunftsarten berührt sein, wenn der Künstler verschiedene Tätigkeiten ausgeübt hat. Die Zuordnung der Tätigkeit zu einer bestimmten Einkunftsart ist wichtig, da hieran bestimmte steuerliche Folgen geknüpft sind. Dabei kommt zunächst der Abgrenzung zwischen der selbständig ausgeübten gewerblichen oder freiberuflichen Tätigkeit und der nichtselbständig ausgeübten Tätigkeit erhebliche Bedeutung zu. Soweit eine selbständige (freiberufliche oder gewerbliche) Tätigkeit gegeben ist, erfolgt die Besteuerung nach Ablauf des Kalenderjahrs im Weg der Einkommensteuerveranlagung durch das Finanzamt; ggf. hat der Künstler Vorauszahlungen auf seine voraussichtliche Einkommensteuerschuld zu leisten. Bei nichtselbständiger Arbeit ist der jeweilige Arbeitgeber verpflichtet, vom Arbeitslohn des Künstlers im laufenden Kalenderjahr Lohnsteuer einzubehalten und gleichsam als Einkommensteuer-Vorauszahlung des Arbeitnehmers an das Finanzamt abzuführen. Wichtig ist außerdem, dass der Künstler bei einer selbständigen oder gewerblichen Tätigkeit als Unternehmer ggf. auch Umsatzsteuer zu entrichten hat (vgl. Umsatzsteuer), während eine Arbeitnehmertätigkeit und Umsatzsteuer sich gegenseitig ausschließen.

Die wesentlichen Auswirkungen aus der steuerrechtlichen Zuordnung der Tätigkeit können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden:

nichtselbständige Arbeit

selbständige Tätigkeit

Ermittlung der Einkünfte

Arbeitslohn (aus allen Beschäftigungsverhältnissen)
- Werbungskosten
= Einkünfte (aus nichtselbständiger Arbeit)

Betriebseinnahmen
- Betriebsausgaben
= Gewinn
(= Einkünfte aus selbständiger Arbeit oder
Einkünfte aus Gewerbebetrieb)

Besteuerung nach dem Einkommen im laufenden Kalenderjahr

Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber

Entrichtung von Einkommensteuer-Vorauszahlungen durch den Künstler

Besteuerung nach dem Einkommen nach Ablauf des Kalenderjahrs

Veranlagung zur Einkommensteuer (Lohnsteuer und Vorauszahlungen werden angerechnet)

Umsatzsteuer kann anfallen

nein

ja


Abgrenzung der nichtselbständigen von den selbständigen Einkünften

Arbeitnehmer im Sinn des Steuerrechts sind alle Personen, die mit ihrer Tätigkeit unter der Leitung eines Arbeitgebers stehen oder in den geschäftlichen Organismus des Arbeitgebers eingegliedert und dessen Weisungen zu folgen verpflichtet sind.

Dagegen ist nicht Arbeitnehmer, wer Lieferungen und sonstige Leistungen innerhalb der von ihm selbständig ausgeübten gewerblichen und beruflichen Tätigkeit ausführt. Bei der Abgrenzung zwischen selbständiger Tätigkeit und nichtselbständiger Arbeit kommt es nicht so sehr auf die formelle vertragliche Gestaltung, z.B. auf die Bezeichnung als freies Mitarbeiterverhältnis, als vielmehr auf die Durchführung der getroffenen Vereinbarung an. Nachdem gerade bei Künstlern und verwandten Berufen eine zutreffende steuerliche Einordnung ihrer Tätigkeit nicht immer einfach ist, hat die Finanzverwaltung für das Steuerrecht im Schreiben vom 5.10.1990 - dem sog. Künstlererlass - Regelungen getroffen, um den Vollzug für die Praxis zu erleichtern. Danach gilt für die steuerrechtliche Einordnung der Tätigkeit im allgemeinen folgendes:

1. Tätigkeit bei Theaterunternehmen

Spielzeitverpflichtete Künstler
Künstler und Angehörige von verwandten Berufen, die auf Spielzeit- oder Teilspielzeitvertrag angestellt sind, sind in den Theaterbetrieb eingegliedert und damit nichtselbständig.

Gastspielverpflichtete Künstler
Bei gastspielverpflichteten Künstlern und Angehörigen von verwandten Berufen erstreckt sich der Vertrag in der Regel auf eine bestimmte Anzahl von Aufführungen. Hier gelten die folgenden Grundsätze:

Gastspielverpflichtete Regisseure, Choreographen, Bühnenbildner und Kostümbildner sind selbständig.

Gastspielverpflichtete Dirigenten üben eine nichtselbständige Tätigkeit aus; sie sind ausnahmsweise selbständig, wenn sie nur für kurze Zeit einspringen.

Gastspielverpflichtete Schauspieler, Sänger, Tänzer und andere Künstler sind in den Theaterbetrieb eingegliedert und deshalb nichtselbständig, wenn sie eine Rolle in einer Aufführung übernehmen und gleichzeitig eine Probenverpflichtung zur Einarbeitung in die Rolle oder eine künstlerische Konzeption eingehen. Stell- oder Verständigungsproben reichen nicht aus.

Aushilfen für Chor und Orchester sind selbständig, wenn sie nur für kurze Zeit einspringen.

Gastspielverpflichtete Künstler einschließlich der Instrumentalsolisten sind selbständig, wenn sie an einer konzertanten Opernaufführung, einem Oratorium, Liederabend oder dergleichen mitwirken.

2. Tätigkeit bei Kulturorchestern

Sämtliche gastspielverpflichtete Künstler, z.B. Dirigenten, Vokal- und Instrumentalsolisten, sind selbständig. Orchesteraushilfen sind ebenfalls selbständig, wenn sie nur für kurze Zeit einspringen.

3. Tätigkeit bei Hörfunk und Fernsehen

Bei Rundfunk und Fernsehen werden neben dem fest angestellten Personal auch Künstler und Angehörige von verwandten Berufen aufgrund von Honorarverträgen tätig und als freie Mitarbeiter bezeichnet. Diese werden in der Regel als nichtselbständig Tätige behandelt.

Bestimmte Gruppen von freien Mitarbeitern sind jedoch selbständig, soweit sie nur für einzelne Produktionen (z.B. ein Fernsehspiel, eine Unterhaltungssendung oder einen aktuellen Beitrag) tätig werden. Dabei handelt es sich um folgende Mitarbeiter:

Architekten

Arrangeure

Artisten (die als Gast außerhalb eines Ensembles oder einer Gruppe eine Sololeistung erbringen)

Autoren

Berichterstatter

Bildhauer

Bühnenbildner

Choreographen

Chorleiter*

Dirigenten*

musikalische Leiter*

Darsteller (die als Gast in einer Sendung mit Live-Charakter mitwirken)

Diskussionsleiter

Dolmetscher

Fachberater

Fotografen

Gesprächsteilnehmer

Grafiker

Interviewpartner

Journalisten

Kommentatoren

Komponisten

Korrespondenten

Kostümbildner

Kunstmaler

Lektoren

Moderatoren (wenn der eigenschöpferische Teil der Leistung überwiegt)

Quizmaster

Realisatoren (wenn der eigenschöpferische Teil der Leistung überwiegt)

Regisseure

Solisten-Gesang, Musik, Tanz (die als Gast außerhalb eines Ensembles oder einer Gruppe eine Sololeistung erbringen)

Schriftsteller

Übersetzer

* Soweit sie als Gast mitwirken oder Träger des Chors/Klangkörpers oder Arbeitgeber der Mitglieder des Chors/Klangkörpers sind.

 

Eine von vornherein auf Dauer angelegte Tätigkeit eines freien Mitarbeiters ist nichtselbständig, auch wenn für sie mehrere Honorarverträge abgeschlossen werden.

Die Tätigkeit für denselben Auftraggeber in mehreren zusammenhängenden Leistungsbereichen ist einheitlich zu beurteilen. Die Einordnung einer solchen Mischtätigkeit richtet sich nach der überwiegend ausgeübten Tätigkeit. Dabei kann auch auf die Höhe des aufgeteilten Honorars abgestellt werden.

Im Einzelfall kann auch ein freier Mitarbeiter, der nicht zu den vorgenannten Berufsgruppen gehört, als selbständig anerkannt werden. Das für die Veranlagung des Mitarbeiters zuständige Finanzamt muss dann eine entsprechende Bescheinigung erteilen. Gehört der freie Mitarbeiter zu den vorgenannten Berufsgruppen, dann kann er gleichwohl aufgrund besonderer Verhältnisse des Einzelfalls nichtselbständig sein.

4. Tätigkeit bei Film- und Fernsehfilmproduzenten (Eigen- und Auftragsproduktion) einschließlich Synchronisierung

Filmautoren, Filmkomponisten und Fachberater sind im allgemeinen nicht in den Organismus des Unternehmens eingegliedert und daher selbständig.

Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Regieassistenten und sonstige Mitarbeiter sind dagegen durch das notwendige Zusammenwirken aller Beteiligten in den Organismus der Produktion eingegliedert und daher nichtselbständig.

Synchronsprecher und Synchronregisseure sind in der Regel selbständig.

5. Wiederholungshonorare

Wiederholungshonorare werden grundsätzlich der Einkunftsart zugerechnet, zu der das Ersthonorar gehört hat. War das Ersthonorar dem Arbeitslohn zuzuordnen, werden Wiederholungshonorare entsprechend dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 6.3.1995 (BStBl 1995 II S.471) dann als Einnahmen aus selbständiger Arbeit behandelt, wenn die Leistungsschutzrechte des Arbeitnehmers nicht bereits aufgrund des Arbeitsvertrags auf den Arbeitgeber übergegangen und die Höhe der jeweiligen Vergütungen in gesonderten Vereinbarungen festgelegt worden sind.

Rechtsgrundlagen: 

§ 19 EStG
§ 1 LStDV
Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 5.10.1990 (BStBl 1990 I S. 638)

Für die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung von im künstlerischen Bereich Beschäftigte/Tätige haben die Spitzenorganisationen der Sozialversicherung mit Schreiben vom 30.5.2000 einen eigenständigen Abgrenzungskatalog für im Bereich Theater, Orchester, Rundfunk- und Fernsehanbieter, Film- und Fernsehproduktion tätige Personen bekannt gegeben.

 

Lohnsteuerabzug

Lohnsteuerkarte
Erzielt der Künstler aus seiner Tätigkeit Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, dann ist sein Arbeitgeber verpflichtet, vor Auszahlung des Arbeitslohns den Steuerabzug vom Arbeitslohn vorzunehmen und die einbehaltenen Steuerabzüge (Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) für Rechnung des Arbeitnehmers an das Finanzamt abzuführen. Der Künstler muss für Zwecke des Steuerabzugs seinem Arbeitgeber eine Lohnsteuerkarte vorlegen. Von den Eintragungen auf der Lohnsteuerkarte (insbesondere der Steuerklasse) hängt die Höhe des vorzunehmenden Steuerabzugs ab. Die Lohnsteuerkarte wird von der Gemeinde (Einwohnermeldeamt) kostenlos ausgestellt. Zuständig ist die Gemeinde, in der der Arbeitnehmer am 20.September des Vorjahrs mit seiner Hauptwohnung gemeldet war. Zusammen mit der Lohnsteuerkarte ist dort auch eine aktuelle Broschüre "Kleiner Ratgeber für Lohnsteuerzahler" erhältlich, die über alles Wissenswerte im Zusammenhang mit der Lohnsteuerkarte (z.B. über die Steuerklassen oder die Eintragung von Freibeträgen) informiert.

Bezieht ein Arbeitnehmer nebeneinander von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn, dann wird eine zweite oder weitere Lohnsteuerkarte (Steuerklasse VI) ausgestellt. Arbeitnehmer, die in ihrem ersten Dienstverhältnis einen so geringen voraussichtlichen Jahresarbeitslohn haben, dass sie ihre Steuerfreibeträge dort nicht ausschöpfen, haben nunmehr die Möglichkeit, den hohen Steuerabzug im zweiten Dienstverhältnis auszugleichen. Auf Antrag trägt das Finanzamt auf ihrer zweiten Lohnsteuerkarte einen Freibetrag und auf ihrer ersten Lohnsteuerkarte einen entsprechenden Hinzurechnungsbetrag ein.

Lohnsteuertabelle
Die Lohnsteuer für den laufenden Arbeitslohn ist aus der Lohnsteuertabelle für den jeweiligen Lohnzahlungszeitraum zu entnehmen, bei monatlicher Zahlung also aus der Monatslohnsteuertabelle. Für kürzere Lohnzahlungszeiträume gelten die Wochen- oder die Tageslohnsteuertabelle. In diesen Lohnsteuertabellen sind eine Reihe von steuerlichen Vergünstigungen (z.B. der Grundfreibetrag, der Arbeitnehmer-Pauschbetrag für Werbungskosten, die Vorsorgepauschale für Versicherungsbeiträge und der Sonderausgaben-Pauschbetrag) eingearbeitet, die den Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber bereits mindern. Der Systematik des Lohnsteuerabzugs nach den amtlichen Lohnsteuertabellen ist zugrunde gelegt, dass der Arbeitnehmer das ganze Jahr über Arbeitslohn bezieht.

Künstlerspezifische Sonderregelungen
Bei Künstlern und verwandten Berufen liegt häufig keine gleichbleibende Beschäftigung beim selben Arbeitgeber, sondern eine unregelmäßige Beschäftigung bei verschiedenen Arbeitgebern vor. Die Anwendung der Tageslohnsteuertabelle bei täglicher Zahlung des Honorars führt deshalb nicht nur bei Steuerklasse VI zu einem sehr hohen Lohnsteuerabzug, so dass die obersten Finanzbehörden des Bundes und der Länder den Arbeitgebern von Künstlern weitere Möglichkeiten eröffnet haben, die im vorgenannten Künstlererlass vom 5.10.1990 ausführlich beschrieben sind:

1. Erweiterter Lohnzahlungszeitraum

Der Lohnzahlungszeitraum wird für Zwecke des Lohnsteuerabzugs auf die vor der tatsächlichen Beschäftigung liegende Zeit ausgedehnt. Dieser Zeitraum darf jedoch noch nicht belegt sein. Für je zwei Tage der tatsächlichen Beschäftigung kann dann eine Woche, höchstens jedoch insgesamt ein Monat angesetzt werden.

Für die 6-tägige Beschäftigung vom 26. bis 31. März erhält ein Schauspieler (Steuerklasse I) 4800 DM. Für die Tagesgage von 800 DM würde der Lohnsteuerabzug nach der Tagestabelle 326,25 DM betragen, für die sechs Drehtage also insgesamt 1957,50 DM.

Beispiel 1:
Die letzte Eintragung auf der Lohnsteuerkarte ist der 2. bis 5.März, so dass für die 6-tägige Beschäftigung der Lohnzahlungszeitraum auf den 11. bis 31.März (= drei volle Wochen) erweitert werden kann. Für den Wochenlohn von 1600 DM (4800 DM : drei Wochen) beträgt der Lohnsteuerabzug nach der Wochentabelle 370,66 DM, für die sechs Drehtage damit insgesamt also 1111,98 DM.

Beispiel 2:
Die letzte Eintragung auf der Lohnsteuerkarte ist der 15. bis 17. März. In diesem Fall ist eine Erweiterung des Lohnzahlungszeitraums auf drei volle Wochen (11. bis 31.März) nicht zulässig, weil dieser Zeitraum z.T. schon belegt ist. Es kommt hier nur eine Erweiterung des Lohnzahlungszeitraums vom 18. bis 31.März (= zwei volle Wochen) in Betracht. Für den Wochenlohn von 2400 DM (4800 DM : zwei Wochen) beträgt der Lohnsteuerabzug nach der Wochentabelle 731,57 DM, für die sechs Drehtage damit insgesamt 1463,14 DM.

2. Verlängerung des Lohnzahlungszeitraums auf einen Monat

Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren, dass für Zwecke des Lohnsteuerabzugs der Monat als Lohnzahlungszeitraum angesehen wird und die Zahlungen zunächst als Abschlagszahlungen behandelt werden. Voraussetzung für dieses Verfahren ist, dass die Lohnsteuerkarte für den betreffenden Monat noch keine Eintragungen enthält und die Lohnsteuerkarte mindestens für den Monat beim Arbeitgeber verbleibt.

3. Permanente Monatsabrechnung

Der Lohnsteuerabzug für die während eines Monats anfallenden Lohnzahlungen wird nach der Monatstabelle in der Weise vorgenommen, dass die früheren Lohnzahlungen desselben Monats mit in die Steuerberechnung einbezogen werden.

Beispiel:
Ein Schauspieler ist drei Drehtage beim selben Arbeitgeber beschäftigt. Für den Drehtag am 8. August erhält er 800 DM, für den Drehtag am 13. August 900 DM und für den Drehtag am 27. August 600 DM. Die Lohnsteuerkarte (Steuerklasse I) verbleibt beim Arbeitgeber. Die permanente Monatsabrechnung ergibt folgenden Lohnsteuerabzug:


Erste Lohnzahlung (8.8.) 800 DM
Lohnsteuer für 800 DM =
einzubehalten am 8.8.

Zweite Lohnzahlung (13.8.) 900 DM
Lohnsteuer für
1700 DM (800 DM + 900 DM) =
bereits gezahlt für 800 DM
einzubehalten am 13.8.

Dritte Lohnzahlung (27.8.) 600 DM
Lohnsteuer für
2300 DM (1700 DM + 600 DM) =
bereits gezahlt für 1700 DM
einzubehalten am 27.8.

x
0,00 DM
0,00 DM

x
x

2,16 DM
0,00 DM
2,16 DM

x
x

122,41 DM
-  2,16 DM
120,25 DM

 

4. Permanenter Lohnsteuer-Jahresausgleich

In diesem Verfahren erfolgt die Lohnsteuerermittlung nach dem voraussichtlichen Jahresarbeitslohn. Für dieses Verfahren ist Voraussetzung, dass die Lohnsteuerkarte zum Zeitpunkt der Lohnabrechnung keine Fehlzeiten ausweist; d.h. dass entweder der Arbeitnehmer seit Beginn des Kalenderjahrs ständig in einem Dienstverhältnis gestanden haben muss oder die Lohnsteuerkarte das ganze Jahr über beim Arbeitgeber verblieben ist. Dieses Verfahren wird sich vor allem auch für eine Lohnsteuerkarte mit Steuerklasse VI anbieten.

Zur Anwendung des permanenten Lohnsteuer-Jahresausgleichs wird nach Ablauf eines jeden Lohnzahlungszeitraums der laufende Arbeitslohn der abgelaufenen Lohnzahlungszeiträume auf einen Jahresbetrag hochgerechnet. Für den hochgerechneten Jahresarbeitslohn wird dann die Lohnsteuer aus der Jahreslohnsteuertabelle ermittelt. Sodann wird der Teilbetrag der Jahreslohnsteuer errechnet, der auf die abgelaufenen Lohnzahlungszeiträume entfällt. Von diesem Steuerbetrag wird dann die Lohnsteuer abgezogen, die von dem laufenden Arbeitslohn der abgelaufenen Lohnzahlungszeiträume bereits erhoben worden ist; der Restbetrag ergibt die für den letzten Lohnzahlungszeitraum zu erhebende Lohnsteuer.

Beim Lohnsteuerabzug handelt es sich vielfach nur um ein vorläufiges Verfahren; die endgültige Steuerberechnung kann häufig erst bei der Einkommensteuerveranlagung (vgl. Einkommensteuerveranlagung) durchgeführt werden, wenn nach Ablauf des Kalenderjahrs die Einnahmen zusammengerechnet werden und die steuerlich berücksichtigungsfähigen Aufwendungen feststehen.

Rechtsgrundlagen: 

§§ 38 - 39b EStG
Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 5.10.1990 (BStBl 1990 I S. 638)

 

Abgrenzung der gewerblichen von den freiberuflichen Einkünften

Wird eine Tätigkeit selbständig ausgeübt, werden daraus in der Regel entweder Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder solche aus freiberuflicher Tätigkeit erzielt.

Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit
Zu den freiberuflichen Tätigkeiten gehört die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit sowie die Berufstätigkeit z. B. der Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten, Journalisten usw.

Künstlerische Tätigkeit
Eine künstlerische Tätigkeit liegt vor, wenn die Arbeiten nach ihrem Gesamtbild eigenschöpferisch sind und über eine hinreichende Beherrschung der Technik hinaus eine bestimmte künstlerische Gestaltungshöhe erreichen. Dabei ist auf die tatsächlich ausgeübte Gesamttätigkeit abzustellen.
Die Vorbildung des Steuerpflichtigen (z. B. abgeschlossenes Hochschulstudium der entsprechenden Kunstrichtung), Presseveröffentlichungen und Kritiken in Kunstzeitschriften, die Beteiligung an Kunstausstellungen und die Mitgliedschaft in bestimmten Berufsverbänden können bei der Feststellung der Künstlereigenschaft von Bedeutung sein. Die Mitgliedschaft in einem (Berufs-)Verband reicht aber für die Anerkennung einer künstlerischen Tätigkeit allein nicht aus.

In Zweifelsfällen kann zur Feststellung der Künstlereigenschaft eine Gutachterkommission eingeschaltet werden. Solche Kommissionen sind - aufgeteilt auf die verschiedenen Sparten der Kunst - jeweils in den Bereichen der Oberfinanzdirektionen München und Nürnberg eingerichtet. Die Anschriften der Kommissionen lauten:

Sparte

Bereich der OFD München 1)

Bereich der OFD Nürnberg 2)

Malerei und Plastik

Gutachterkommission für Malerei und Plastik
z. Hd. Herrn Helmut Kästl
Hechenwanger Str. 8
86926 Greifenberg

Gutachterausschuss für die steuerliche Veranlagung
freischaffender Künstler
im Bereich der Oberfinanzdirektion Nürnberg
P.A. Berufsverband bildender Künstler Nürnberg e.V.
Eichendorffstr. 13
91161 Hilpoltstein

Kunstgewerbe

Gutachterkommission für
Kunstgewerbe
z. Hd. Herrn
Prof. Ludwig Gosewitz
Akademiestr. 2
80799 München

Gebrauchsgrafik
und Foto-Design

Akademie an der Einsteinstraße
z. Hd. Herrn
Wolfgang Baum
Einsteinstr. 42
81675 München

Musik

Gutachterkommission für Musik
c/o Landesverband bayerischer
Tonkünstler
z. Hd. Frau
Prof. Dr. Inka Stampfl
Linprunstr. 16/Rgb.
80335 München

Bereich Rock- und Popmusik:
Berufsfachschule für
Musik Dinkelsbühl
Klostergasse 1
91550 Dinkelsbühl

Andere Musikbereiche:
Hochschule für Musik
Nürnberg-Augsburg
Abteilung Nürnberg
Am Katharinenkloster 6
90403 Nürnberg

1) Der Bereich der Oberfinanzdirektion (OFD) München umfasst die Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und Schwaben.

2) Der Bereich der OFD Nürnberg umfasst die Regierungsbezirke Unterfranken, Oberfranken, Mittelfranken und Oberpfalz

Anträge auf Begutachtung sind von den Steuerpflichtigen unmittelbar an diese Kommissionen zu richten. Im übrigen kann der Nachweis der Künstlereigenschaft auch durch Gutachten anderer Personen oder Stellen geführt werden.

Die Finanzämter sind an die Gutachten zwar nicht gebunden, werden sie aber im allgemeinen den steuerrechtlichen Entscheidungen zugrunde legen können, insbesondere dann, wenn die Konstitutivmerkmale des zu beurteilenden Begriffs "Künstlereigenschaft" im Gutachten ausreichend abgehandelt sind.

Besonders wichtig ist, dass die vom Steuerpflichtigen tatsächlich ausgeübte Tätigkeit den Angaben entspricht, die dem Gutachten zur Feststellung der Künstlereigenschaft zugrunde gelegt worden sind.

Beschäftigung von Mitarbeitern

Eine freiberufliche Tätigkeit kann auch dann noch vorliegen, wenn fachlich vorgebildete Arbeitskräfte beschäftigt werden. Voraussetzung ist aber, dass der Betriebsinhaber/die Betriebsinhaberin aufgrund eigener Fachkenntnisse leitend tätig ist und die berufstypischen Leistungen in ausreichendem Umfang selbst und eigenverantwortlich erbringt. Da die künstlerische Tätigkeit in besonderem Maß persönlichkeitsbezogen ist, kann sie deshalb als solche nur anerkannt werden, wenn der Künstler auf sämtliche zur Herstellung eines Kunstwerks erforderlichen Tätigkeiten den entscheidenden gestaltenden Einfluss ausübt.

Rechtsgrundlage: § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG

Einkünfte aus Gewerbebetrieb
Sind die Voraussetzungen für eine freiberufliche Tätigkeit nicht erfüllt (z. B. weil die ausgeübte Tätigkeit nicht als "künstlerisch" eingestuft werden kann), liegen in der Regel Einkünfte aus Gewerbebetrieb vor.

Rechtsgrundlage: § 15 EStG

Steuerliche Auswirkungen aus der Zuordnung zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb oder aus freiberuflicher Tätigkeit
Die wesentlichen Auswirkungen können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden:

 

Gewerbebetrieb

freiberufliche Tätigkeit

Anmeldung einer Betriebseröffnung

bei der Gemeinde (Finanzamt wird von der Gemeinde benachrichtigt)

beim Finanzamt unmittelbar

Gewerbesteuer

ja, soweit Freibeträge überschritten werden

nein

Einkommensteuer

Steuerermäßigung um das 1,8-fache des Gewerbesteuer-Messbetrags

keine Steuerermäßigung

Gewinnermittlung

i.d.R. durch Betriebsvermögensvergleich (Bilanzierung); bei kleinen Betrieben ist auch Einnahmenüberschussrechnung möglich

i.d.R. durch Einnahmenüberschussrechnung


 

 

 

Jasper Steuerberater

 

Köln, 01.08.2010